Die Hände benutzen statt nur den Kopf – ein Beispiel aus Bio
Meine Fächer sind ja Deutsch und Englisch, aber manchmal mache ich auch Bio. Letztes Thema: Das Blut.
Da ich mir selbst die ganzen Fachbegriffe der Blutbestandteile (Thrombozyten usw) nicht merken konnte, wir auch leider kein Mikroskop vor Ort haben, brachte ich zur nächsten Stunde Knete mit. Aus dieser formten wir dann die einzelnen Blutbestandteile aus Knete nach. Daraus gestalteten wir eine kleine Ausstellung: Neben den gekneteten Blutplättchen lagen Kurzbeschreibungen unserer „Exponate“. Diese blieben dort einige Wochen liegen, und irgendwann konnten wir uns alle die Begriffe merken.

Ein bisschen Spaß muss sein
Ebenfalls in Bio eiferte ich mal Otto Walkes nach: Wer kennt noch Ottos genialen Sketch mit den Organen?! „Leber an Milz, Leber an Milz!“ Als wir im Unterricht über die menschlichen Verdauungsorgane sprachen, zeigte ich ein Video von Otto und bat die Schüler/innen, sich ähnliche Dialoge zwischen den Organen auszudenken – es war ein großer Spaß.

Mit schlechtem Beispiel vorangehen
Sich selbst zum „Deppen“ mache finde ich übrigens unterhaltsam und gar nicht schlimm. Für das Thema „Bewerbungsschreiben“ (Deutsch) formulierte ich einmal eine extra schlechte Bewerbung und kündigte diese als „die beste Bewerbung“ an, die ich jemals geschrieben hätte und durch die ich an meinen jetzigen Lehrer-Job gekommen sei. Beim Lesen dann große Augen und schließlich Lachen.
Als es in Deutsch um Gedichte ging, habe ich einmal angekündigt, nun für alle das jeweilige Gedicht „perfekt“ vorzutragen. Beim Vortrag machte ich dann so ungefähr alles falsch, was man nur falsch machen kann, ich leierte das ganze Gedicht monoton runter, so, als hätte ich überhaupt keinen Bock, machte lange Atem-Pausen an den absurdesten Stellen usw. (frei nach Hape Kerkelings „Hurz!“). Als wir uns alle wieder eingekriegt hatten, sollten die Schüler/innen mir sagen, was ich alles besser machen könnte beim nächsten Mal – und zack: hatten wir die Kriterien eines guten Gedichtvortrags gesammelt.

Die großen Themen und Fragen dieses Lebens

Klassischer Schulunterricht verliert sich meines Erachtens häufig viel zu sehr im Kleinen: Ist das jetzt eine Adverbiale Bestimmung der Zeit oder des Ortes?
Mich interessieren die großen Themen und Fragen, auf die wir meiner Meinung nach auch junge Menschen vorbereiten sollten: In was für einer Welt leben wir? Wie wollen wir leben? Auch: Welcher Beruf ist der richtige für mich?
Es gibt so viele gut geschriebene Artikel über das, was Wissenschaftler aktuell übers Universum herausgefunden haben oder was es gerade über den Klimawandel Neues gibt (z.B. auf der Seite spektrum.de, auf der der NASA oder von National Geographic).
Zum Thema Berufsfindung: Seiten wie www.jetzt.de haben Interviews mit Menschen aus den verschiedensten Berufen, die über die Vor- und Nachteile ihres Jobs sprechen, auch über die Bezahlung, Urlaubstage usw. – über „handfeste“ Fragen also, die viele Jugendliche interessieren.

Wie ich Aufgaben und Arbeitsaufträge formuliere
Ich versuche „Anweisungen“ aller Art zu vermeiden. Noch vor wenigen Jahren verteilte ich Arbeitsblätter zur Heftführung, die ich aus der Ich-Perspektive der Schüler formulierte:

So einen garstigen Umgangston habe ich mir zum Glück abgewöhnt. Heute versuche ich, so zu formulieren, wie ich auch mit Freunden oder Kollegen sprechen würde. Denen würde ich ja auch nicht sagen: „Achte auf deine Groß- und Kleinschreibung, wenn du mir eine Whatsapp schickst!“ Oder: „Unterstreiche im folgenden Text die Nomen in blau, die Verben in rot, die Adjektive in gelb!“
Ich formuliere eher, wie wir es aus der Erwachsenen-Bildung kennen – und gehe davon aus, dass junge Menschen in der Lage sind, ihre Stiftfarbe selbst auszuwählen.: „Versuche mal, die verschiedenen Wortarten in verschiedenen Farben zu unterstreichen, ich glaub, das ist hilfreich.“

Ich empfehle Dinge, dir mir sinnvoll erscheinen: Wie z.B. die Notizen, die ich an der Tafel während der Stunde mache, abzuschreiben. Aber letzten Endes ist es die Sache meiner Schüler/innen, was sie für wichtig halten und abschreiben wollen, und was nicht. In einer Fortbildung zwingt mich auch keiner zum Mitschreiben des Gesagten oder zum akribischen Abschreiben der Flip-Chart oder Power-Point. Das fände wohl jeder Seminarteilnehmer ziemlich respektlos.

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