Lehrbücher und Arbeitsblätter sind Kreativitätskiller
Keine Frage: Lehrbücher erleichtern das Unterrichten. Sie haben Themen schon „mundgerecht“ aufbereitet. Sie sind fachlich korrekt. Sie haben tolle Bilder und Abbildungen, Übungsaufgaben, Erklärungen für bestimmte Phänomene. Es gibt sogar manchmal Kapitel nur mit Übungsklausuren. Denn es geht ja am Ende (auch) um Prüfungen.

Und dann noch die guten alten Arbeitsblätter, die man so leicht und schnell 26mal durch den Kopierer jagen kann, und zack, hat man 45-Minuten-Arbeitsbeschaffung für 26 Teenager.
Wenn meine Schüler/innen ein von mir erstelltes Arbeitsblatt bekommen und erfolgreich bearbeitet haben, kann ich sicher sein, dass ich etwas „gesichert“ habe und dass der Stoff hoffentlich „sitzt“. Die Schüler/innen können auch auf dem Arbeitsblatt nochmal nachschauen, wenn sie für eine Arbeit lernen.

Dabei sind Arbeitsblätter, die ICH vorbereitet habe, und Lehrbücher mit Aufgaben, die sich Fachleute und Didaktiker ausgedacht haben, leider Garanten für Langeweile und unlebendiges Lernen. Wenn ich Kreativität und Eigeninitiative von Schüler/innen gering halten will, dann sollte ich möglichst viele Arbeitsblätter mit ganz vielen Aufgaben im Unterricht verwenden.

Interesse versus Abarbeiten
Wir regen uns auf über desinteressierte Schüler/innen, doch ich ahne, dass dies etwas zu tun haben könnte mit der Gestaltung von Schule und Unterricht, die eben jenes Desinteresse auslöst.

Vielleicht würde die 14jährige Sarah der Aufbau eines Auges wirklich interessieren. Aber nicht, wenn ich ihr ein Bio-Buch mit einem Text über das Auge vor die Nase lege und sie danach bitte, das dazu passende Schaubild auf dem Arbeitsblatt zu beschriften.

Vielleicht würde der elfjährige Tom tatsächlich gern Englisch lernen. Aber nicht, wenn ich ihn einen Text lesen lasse, in dem überpoportional oft das „going-to“ Future verwendet wird, und ihm danach einen Lückentext gebe, in dem er an den passenden Stellen das „going-to-Future“ einsetzen soll.

Vielleicht würde die neunjährige Samira echt gern wissen, wie das funktioniert mit dem richtigen Schreiben. Aber ihr Interesse mag verpuffen, wenn ich ihr jede Stunde häppchenweise Rechtschreib-Regeln vorgebe, und dann von ihr verlange, Diktate zu schreiben.

Worauf will ich hinaus?
Wenn wir das WAS (die Lerninhalte) und das WIE (den Weg der Aneignung) so stark vorgeben, wie wir es momentan tun, dann gehen Chancen verloren.
Chancen, mehr zu lernen, als Anweisungen auszuführen; Chancen, selbst aktiv und kreativ zu werden, anstatt sich „berieseln“ zu lassen; und Chancen, sich mit anderen zusammen zu tun und etwas gemeinsam zu bewegen.

Für weniger Arbeitsblätter und mehr Action
Es gibt pädagogische Ansätze, die ein bisschen mehr Spielraum und Aktivität geben. Zum Beispiel die Arbeit mit Lernsituationen. Oder die Idee „Lernen durch Lehren“.

Ich möchte aber eine Beobachtung festhalten: dass alle diese Ansätze nicht das Gesamtkonstrukt in Frage stellen. Sie alle gehen von der Unumstößlichkeit aus, dass wir Lehrer/innen vorgeben, WORUM es gehen soll, also das Thema, den Inhalt. Das hängt mit dem Curriculum zusammen, doch dazu an anderer Stelle mehr.

Und dabei liegt doch auf der Hand: Nichts ist so wertvoll, so antreibend und erfüllend, wie das eigens entwickelte Interesse an etwas. Das eigene Finden eines Themas. Wenn wir das in Schule von Anfang an verhindern bzw. abtrainieren, wird dieses Finden natürlich schwerer, je älter man wird.

Wir hatten damals einfach Lust darauf, ein Floß zu bauen. Und keine Hürde, kein Rückschlag, keine Mühe brachten uns davon ab. Wir investierten gerne Zeit und Nerven in dieses Projekt – denn es war unseres, und niemand hatte es uns vorgegeben. Die einzig damit vergleichbare Schulsituation, die ich kenne, sind die so genannten „Herausforderungen“ an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum.

Die Kreativen
Junge Menschen wollen Action, kreativ sein, echte Herausforderungen mit konkreten Zielen: Etwas zeigen, vorführen, machen, bewegen. Schaut mal, das bin ich! Das habe ich gemacht!

Meine Floßbau-Freundin Julia und ich suchten uns diese Herausforderungen selbst – manchmal, mit Glück, ging das auch in der Schule. In der 5.Klasse, als wir in Geschichte die 50ger Jahre vorstellen sollten, besorgten wir uns kurzerhand Original-Klamotten von Julias Oma und eine Kassette mit Rock’n’Roll-Musik – und veranstalteten im Klassenraum eine Modenschau. Mann, waren wir aufgeregt! Was für ein Auftritt. Endlich hatten wir etwas „Pep“ in den öden Vormittag gebracht.

„Oh, diese Schule… Und wie wir im tiefen Herzen kreativ sein wollten“, lautet heute das Resümee meiner Freundin.

Weg vom Anweisungen erfüllen
Was wäre, wenn Schüler/innen sich nicht erst überlegen müssten, wie sie enge Vorgaben umgehen, um kreativ sein zu können, sondern wenn sie unterstützt würden in ihrer Kreativität?
Man stelle sich einen Ort vor, an dem junge Menschen ihren Interessen und ihrem ganz persönlichen Entdeckerdrang nachgehen könnten, und dabei sogar noch Förderung erfahren würden… Und dieser Ort hieße „Schule“.


Bild von Public Co auf Pixabay

2 KOMMENTARE

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    a comment.. — and at the same time ask for a favor.

    Your wordpress site is very simplistic – hope you don’t mind me asking what
    theme you’re using? (and don’t mind if I steal it?
    :P)

    I just launched my small businesses site –also built in wordpress like yours– but the theme slows (!) the
    site down quite a bit.

    In case you have a minute, you can find it by searching for
    „royal cbd“ on Google (would appreciate any feedback)

    Keep up the good work– and take care of yourself during
    the coronavirus scare!

    ~Justin

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      However, your website (online shop) looks quite professional already – I would keep it ;-). Good luck and best regards! Linda

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